Bundeslager 2008 - Die Spielidee
Die
Bauernaufstände von 1525
Mit dem ersten Hahnenschrei wurde Martin wach. Er reckte und streckte
sich auf seinem Strohsack, schloss die Augen noch einmal und wollte sich
umdrehen. "Nichts da!" Der Vater stieß ihn mit dem Fuß an. "Aufstehen!
Und du auch", sagte er zu Martins Schwester Anna.
Die beiden standen auf und rieben sich den Schlaf aus den Augen. Die
Mutter stellte eine Schüssel mit Haferbrei auf den Tisch. Martin und
Anna setzten sich auf die Holzbank und löffelten den Brei aus der
Schüssel. Auch der Vater aß von dem Brei. "Genug jetzt", sagte er
schließlich. "Wir müssen an die Arbeit."
Er holte die Kuh aus dem Stall und führte sie zum Acker. Martin und Anna
trugen einen Korb mit
Rübensetzlingen hinterher. Der Morgen war frisch. Tau lag auf dem Gras.
Martin und Anna spürten die feuchte Kühle unter ihren Füßen. Auf dem
Acker spannte der Vater die Kuh vor den Pflug und drückte die Pflugschar
in den Boden. Martin musste die Kuh führen, damit die Furchen gerade
wurden, Anna steckte die Setzlinge in die Furchen und bedeckte sie mit
Erde. "Hüh!" rief der Vater, dem die Kuh zu langsam zog. "Du sollst die
Kuh führen, nicht bremsen, du Nichtsnutz!" Martin schlug die Kuh mit
einem Stecken. Aber die Kuh konnte den Pflug nicht schneller
ziehen. Sie war trächtig und würde bald kalben. Als sie etwa die Hälfte
der Arbeit geschafft hatten, blieb die Kuh stehen. "Hüh!", rief Martin
und zerrte am Kopfstrick. Aber die Kuh machte keinen Schritt mehr.
Der Vater ließ den Pflug los. "Was ist jetzt schon wieder?", schimpfte
er, riss Martin den Stecken aus der Hand und schlug damit auf die Kuh
ein. "Hüh! Willst du wohl ziehen, du faules Stück!"
Die Beine der Kuh knickten ein, sie sackte zu Boden. Martin trat mit dem
Fuß gegen ihren prallen Leib. "Steh auf!" Der Vater stieß Martin zurück.
"Schluss! Die kann nicht mehr." Er hieb mit einem Stecken so über einen
Stein, dass Martin und Anna zusammenzuckten. "Lauf und hol die Mutter!"
befahl der Vater Anna. Anna lief so schnell sie konnte. Der Vater und
Martin spannten die Kuh aus und trugen den Pflug an ihr vorbei. Dann
legte der Vater Martin einen Strick über Schulter und brust und band
sich selbst den anderen um. "Wenn die Kuh nicht mehr ziehen kann, müssen
wir anschirren!" Martin erschrak – und nickte.
Anna kam mit Mutter angelaufen. "Gerechter Gott!", rief die Mutter.
"Nimm den Pflug", sagte der Vater. "Aber das ist doch..." "Die Rüben
müssen heute noch gesetzt werden", schnitt ihr der Vater das Wort ab.
"Morgen und übermorgen muss ich für den Herrn arbeiten."
Die Mutter seufzte und stellte sich hinter den Pflug. Der Vater und
Martin hängten sich mit ganzer Kraft in die Stricke und zogen den Pflug
vorwärts. Als die Sonne schon hoch am Himmel stand und Martin sich noch
einmal mit letzter Kraft bis zum Ende des Ackers geschleppt hatte, blieb
der Vater stehen. Auch er atmete schwer. "Zeit für's Vesper", sagte er.
Die Mutter holte Brot und Käse und sogar ein Stück Speck. Anna lief zum
Bach und holte Wasser. Sie gab dem Vater den Krug. Der reichte ihn
Martin und ließ ihn zuerst trinken. Das hatte er noch nie getan und
Martin war richtig stolz. Er fühlte sich wie ein Mann, obwohl er erst
dreizehn war.
Während sie aßen und tranken, hörte Anna Hundegebell und Hufschlag. "Die
Herren jagen wieder!" rief sie. "Wenn sie nur nicht..." Die Mutter brach
den Satz ab, denn schon sah sie zwei Hirsche um ihr Leben rennen, dicht
gefolgt von bellenden Hunden und den Reitern. Und alle kamen genau auf
ihren Acker zu.
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